Der Wurzelgeist in der

Seisenbergklamm



Die Sage vom Wurzelgeist

 

Vor langer Zeit, vor mehr als hundert Jahren, da ging es in der Seisenbergklamm zuweilen unheimlich zu. In das Tosen und Brausen des Wassers mischte sich von Zeit zu Zeit eine dumpfe Stimme: „Holt’s mi aussa, holt’s mi aussa!“ Diesen Worten folgte jedes Mal ein fürchterliches Rollen und Poltern, und noch eine Zeit lang danach schoss das Wasser wilder als sonst durch die Kessel und  Schlünde.

Die Leute sagten dann: “Der Klammgeist geht wieder um!“


Dies geschah zu einer Zeit als die Klamm noch nicht für Besucher zugäng lich war, allerdings wurde schon in ihr gearbeitet.  Triftknechte sorgten dafür, dass sich das Triftholz nicht verfing.

Dabei geschah einmal etwas Seltsames:
Im wildesten Teil, den man heute „Dunkelklamm“ nennt, hatte sich ein großer Baumstrunk verfangen.


Die Männer mussten lange arbeiten, um an das Ding heranzukommen, nach tagelanger Arbeit hatten sie den Strunk endlich freigelegt, doch die Holzknechte wussten weit und breit keinen Baum zu dem dieses Gebilde gehört haben konnte.

Mit den nach allen Seiten gekrümmten armdicken Stummeln glich es eher einem Lebewesen als einer Baumwurzel. Endlich hatte man die Wurzel ans Ufer gewälzt. Doch schon beim nächsten Hochwasser wurde sie in die Nähe des Pfarrhofes geschwemmt. Der Pfarrer beauftragte deshalb seinen Knecht, den Stock zu zerkleinern.

 

Doch so sehr sich dieser auch mühte, es ließen sich in das beinharte Holz keine Keile schlagen und darum besprengte es der  Pfarrer mit Weihwasser. Als der Pfarrersknecht am nächsten Morgen mit mehreren Männern wiederkam, da war dieser aber

verschwunden.

 

Diese Wurzel sei der Klammgeist gewesen sagten die Leute – und durch das Weihwasser sei er nun endlich erlöst worden.

 

Seither gibt es jedenfalls in der Seisenbergklamm nichts Unheimliches mehr.

 

Die vielen Besucher freuen sich an diesem Wunderwerk der Natur,
dem Klammgeist ist dabei – bis jetzt – noch keiner begegnet!

Oberweißbach 16

5093 Weißbach bei Lofer

Österreich